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Bei der Hl. Messe am 26. Mai 2015 in der Kirche St. Bartholomäus, Marktsteinach, hielt Stephen Kulandai die folgende Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,
oft lesen wir in Traueranzeigen diesen Spruch: „Nicht wollen wir trauern darüber, dass wir ihn verloren haben, sondern wir wollen dankbar sein dafür, dass wir ihn gehabt haben, ja auch jetzt noch besitzen. Denn, wer für Gott lebt und zum Herrn heimkehrt, bleibt in der Familie." Dieser Spruch bringt die Überzeugung und die Zuversicht unserer Familie zum Ausdruck.

Damit Sie sich ein Bild machen können, möchte ich Ihnen meinen Vater kurz beschreiben. Geboren wurde er am 30.12.1936, als zweites von sechs Kindern. Nach seinem „Abitur" verließ er seine Heimat um Geld zu verdienen - für die Seinen. Nach mehreren Jahren kam er zurück in seine Heimat, heiratete Frau Thainese Mary, und gründete seine eigene Familie. Aus dieser Ehe gingen ebenfalls sechs Kinder hervor, wovon ich der älteste bin. Mit einer gesunden Strenge kümmerte er sich um die Familie und um den Haushalt. Er war ein geselliger und beliebter Mann, gerne war er unter den Menschen.

Was ihn in seinem tiefsten Wesen ausgemacht hat, das war seine Gottesfurcht. Sein ganzes Leben lang hatte er ein unerschütterliches Gottvertrauen. Sein Leben war nicht immer leicht, hatte Höhen und Tiefen, wie das Leben eines Jeden von uns. So manche Stürme musste er über sich ergehen lassen. Ähnlich wie wir es heute im Evangelium gehört haben. Doch im Vertrauen auf seinen Gott ist er seinen Weg treu weiter gegangen. Dieses Gottvertrauen hat er auch an seine sechs Söhne weitergegeben, indem er von Kindesbeinen an mit uns gebetet hat und in den Gottesdienst gegangen ist.
Als ich z.B. noch auf dem Weg zur Priesterweihe war, ging mein Vater in Rente, das Geld für den Lebensunterhalt der Familie wurde dadurch sehr knapp. Deshalb bot ich meinem Vater an, einige Jahre mit dem Studium auszusetzen, um Geld für meine Familie zu verdienen, und danach mein Studium weiterzumachen. Er aber sagte nur: „Geh ruhig weiter deinen Weg, wofür Gott dich berufen hat; Gott wird schon für uns sorgen. Einen Priester zu haben ist ein sehr großes Geschenk und ein wunderbarer Segen für uns."

Solange wir Menschen hier auf Erden sind, bleibt es uns nicht erspart, für so manches im Leben zu sorgen und uns zu kümmern. Dies umso mehr, wenn es sich um Menschen handelt, die uns sehr am Herzen liegen, die wir lieben. So sorgte sich eben auch mein Vater um seine Lieben. Seine Lebenszeit war geprägt vom Dasein für andere. Tag und oft auch Nacht, arbeitete er für die Seinen, damit es uns allen gut ging. Schon vor seiner Heirat hat er seine Geschwister und Eltern unterstützt und danach war er für seine eigene Familie da. Mein Vater war ein Mann, der sein Leben für seine Familie buchstäblich hingegeben hat. Wo Hilfe notwendig war, da war er zur Stelle, immer konnte man von ihm einen guten Rat bekommen. Er tat eben das, was in seiner Macht stand. Wenn es um seine Lieben ging, konnte er kämpfen wie ein Löwe. Es war auch seine größte Freude im Leben, bei den Seinen zu sein. Wenn er alle um sich hatte, seine sechs Kinder mit ihren Familien, besonders seine zehn Enkelkinder, dann war er der glücklichste Mann auf Erden.

Anfang Mai diesen Jahres bekam er nun Probleme mit seiner Gallenblase und er wurde operiert. Die Operation selbst ist zwar gut verlaufen, doch nach 10 Tagen am 26.05.2015 ist er plötzlich und für uns alle ganz unerwartet verstorben.

Sein Name ist Rayappan Kulandai. Wenn wir den Namen „Kulandai" ins Deutsche übersetzen, dann bedeutet er „Kind". Und wie wir alle wissen, lässt Jesus gerade den Kindern eine große Bedeutung zukommen, indem er sagt: „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen". In den vergangenen Jahren war es besonders bewegend für mich zu sehen, wie mein Vater genau diesen Weg bis zuletzt ins Himmelreich gegangen ist. Sein Wesen wurde am Ende seines Lebens immer ähnlicher dem Wesen eines Kindes. Wie ein Kind, das sich geborgen weiß in den Armen seiner Eltern, das sich geborgen weiß in den Armen seines Vaters im Himmel und der Gottesmutter Maria. Diese Freiheit, diese Fröhlichkeit und Liebe der Kinder Gottes, die konnte man bei ihm, gerade in seinen letzten Jahren hier auf Erden, hautnah miterleben. Man konnte es sehen und spüren im Umgang mit seinen Kindern und besonders Kindeskindern und all den Menschen, die Ihm am Herzen lagen. Er hat öfter mit seinen Enkelkindern zusammen gebetet, ihnen viele wunderschöne Geschichten aus seinem Leben erzählt.

Der Psalm 73 drückt sehr gut sein innerstes Wesen aus, wenn es da heißt: „Ich aber bleibe immer bei dir, du hältst mich an meiner Rechten. Du leitest mich nach deinem Ratschluß und nimmst mich am Ende auf in Herrlichkeit. Was habe ich im Himmel außer dir? Neben dir erfreut mich nichts auf der Erde. Auch wenn mein Leib und mein Herz verschmachten, Gott ist der Fels meines Herzens und mein Anteil auf ewig."

Zufriedenheit mit dem Leben und mit Gott bekommen wir durch dieses bedingungslose Vertrauen in ihn und durch die Hingabe unseres Lebens an Gott und den Nächsten. Das ist der Weg, den mein Vater versucht hat zu gehen. Mein Vater ist nun hinübergegangen zu seinem himmlischen Vater, zu seiner himmlischen Mutter und zu der ganzen himmlischen Familie. Und heute wollen wir auch darum beten, dass Gott ihm eine ewige Heimat schenkt, die beste Heimat, die es für uns Menschen gibt, eine Heimat der höchstmöglichen Zufriedenheit.

Mit dem Wort des heiligen Hieronymus möchte unsere Familie sagen: „Wir trauern zwar, dass wir seine Liebe nicht wiedersehen. Doch danken wir Gott, dass er unser war. Mehr noch danken wir, dass er unser ist; denn wer immer heimkehrt, bleibt in der Familie." Er bleibt in unserer Familie.

Für das Messopfer heute und für die Gebete und für all die Gebete im Vorfeld die ihm auf diesen Weg dorthin begleiten, möchte ich Ihnen allen heute ein ganz herzliches Vergelt's Gott sagen. Meine Familie, besonders meine Mutter möchte ich weiterhin Ihrem Gebet empfehlen.

Noch einmal ein herzliches Vergelt's Gott.


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