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2022 in Stuttgart

 

Vom 25. – 29. Mai 2022 fand der 102. Deutsche Katholikentag in Stuttgart statt - nach vierjähriger Pause, die vor allem Corona geschuldet war. Der Dritte Ökumenische Kirchentag in Frankfurt/Main 2021 musste vollständig digital durchgeführt werden (leider!). Das umfangreiche Programm folgte dem gewohnten Muster – auch wenn es einige Verschiebungen gab. Trotzdem war die Fülle der Angebote zu groß, so dass manche Veranstaltungen nur von wenigen Gästen besucht waren. Trotzdem: für mich war es endlich wieder eine Möglichkeit, die katholische Kirche in Deutschland bei einem Großevent zu erleben!

Was bleibt mir in Erinnerung – und als Ergebnis? Freude an Präsenz und Wiedersehen – internationale Verbundenheit – geringere Betonung des Missbrauchs in der katholischen Kirche – und vor allem eine Überlagerung durch den Krieg in der Ukraine und die Folgen für die Friedensbewegung. Die geringere Zahl von ca. 27.000 Teilnehmern gegenüber dem letzten Katholikentag in Münster 2018 (ca. 90.000) kann zum Teil auf die Nachwirkungen der Corona-Pandemie zurückgeführt werden, hat aber sicherlich auch mit der aktuellen Krise der katholischen Kirche in Deutschland zu tun. Übrigens waren beim Katholikentag 2004 in Ulm ungefähr die gleiche Anzahl wie in Stuttgart festzustellen. Insgesamt war die Innenstadt – bedingt durch ihre Kessellage – recht kompakt mit den wesentlichen Veranstaltungsorten versehen – und der öffentliche Nahverkehr sorgte für relativ schnelle Verbindungen. Die von mir besuchten Stände auf der Kirchenmeile zeigten unterschiedliche Themen und Gesichtspunkte auf – KAB und Ökumene waren ebenso wie die Bistümer nicht zentral platziert - während der Stand der Bundesarbeitsgemeinschaft Ständiger Diakonat direkt am Schlossplatz leicht zu finden war. Mehr kann man nicht erwarten! Politische Prominenz war in diesem Jahr nicht so stark vertreten wie bei vergangenen Katholikentagen, gerade von Seiten der C-Parteien – und ich kann wohl feststellen, dass die politische Rolle der Kirchen im Schwinden begriffen ist. Auch jugendliche Teilnehmer, die sonst

eine starke Truppe gebildet hatten, waren weniger zu sehen. Andererseits sah ich viele Familien bei den Großereignissen, etliche wohl aus der Gegend. Die Stammgruppe der älteren Semester, vor allem Frauen, bildete das Rückgrat der Dauerteilnehmer – schon erstaunlich bei den stets gleichen Themen, die bereits die Würzburger Synode aufgegriffen hat. Wäre da nicht die Zulassung von Laien als ordentliche Taufspender, bei der Ehe-Assistenz, als Begräbnisleiter oder als Prediger bei Eucharistiefeiern ein Zeichen, das auch dem theoretisch aufgeladenen „Synodalen Weg“ Praxisnähe verschafft. Dabei gibt das geltende Kirchenrecht schon viele Möglichkeiten!

Das Motto des 102. Deutschen Katholikentages lautet: „leben.teilen“. Es ist ein Aufruf zu diakonischem Handeln und es eröffnet viele Handlungsfelder im spirituellen und caritativen Bereich. Packen wir es also an!

Schonungen, 29. Mai 2022

Dr. Michael Wahler
Diakon

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