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LUTHERBOCK UND PAPSTESEL

Von 27. März 2020 19:00 bis 27. März 2020

               „LUTHERBOCK UND PAPSTESEL“ - BILDSATIREN DER REFORMATIONSZEIT
          „FRIDAY FOR FUTURE UND KLIMAKRISENLEUGNER“ - AKTUELLE (FAKE)NEWS?                                        
                                     REDEN ÜBEREINANDER ODER MITEINANDER?

 

Der Papstesel zu Rom 1 page 001Am 31. Oktober 1517 - so erzählt es die Überlieferung - nagelte der Augustinermönch und Professor der Theologie Dr. Martin Luther seine 95 Thesen gegen die Ablasspraxis der katholischen Kirche, die in lateinischer Sprache verfasst waren, an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Ursprünglich gedacht für eine Diskussion unter Akademikern, lösten Luthers Kritikpunkte hitzige Debatten in der gesamten Bevölkerung aus und spaltete diese in verschiedene Lager. Bei dieser Auseinandersetzung handelte es sich in keiner Weise um einen friedlichen Prozess auf Basis sachlicher Argumente - vielmehr wurde auf allen gesellschaftlichen Ebenen mit allen damals zur Verfügung stehenden Mitteln gestritten.
Ist das heute etwa anders? Die Streitigkeiten zwischen jugendlichen Aktivisten der „Friday for future“-Bewegung und Verschwörungstheoretikern, die eine menschengemachte Klimakrise leugnen, sind nur ein Beispiel für die aktuellen Auseinandersetzungen, die vor allem in den „sozialen Medien“ geführt werden. Haßerfüllte Kommentare, Bedrohungen aller Art und Aufrufe zur „Eleminierung“ des Gegners kennzeichnen die gegenwärtige Situation. Und dieser Sprachgebrauch ähnelt sehr den Flugschriften, die teilweise über 500 Jahre alt sind! Warum zählten zu den beliebtesten „Waffen“ in der Reformationszeit illustrierte Bücher oder Darstellungen auf Flugblättern? Durch die Erfindung des Buchdrucks ab 1450 konnten Bilder und Texte in großer Zahl hergestellt und verbreitet werden. So wurden gerade einprägsame Das Mönchskalb 1 page 001Darstellungen zum Mittel, den jeweils eigenen Standpunkt unter das meist leseunkundige Volk zu bringen. Daraus entstanden dann anschauliche Bilder - ob Mönchskalb oder Papstesel, ob Luther als Sackpfeife des Teufels oder der Papst als Antichrist, ob beide als siebenköpfiges Untier - die Bildsatiren der Reformationszeit kannten kein Tabu. Und so bekannte Künstler wie Lucas Cranach der Ältere bzw. der Jüngere scheuten sich nicht, die Vorlagen zu solchen Flugblättern zu entwerfen - also auch künstlerisch bemerkenswert.

                           Am Freitag, 27. März 2020, 19.00 h, Pfarrheim Schonungen,

bietet sich die Möglichkeit, den Streit zwischen den Konfessionen in seiner bildlichen Form zu erleben. Dr. Patrick Melber vom Kunstreferat der Diözese Würzburg wird uns an Hand von historischen Einblattholzschnitten einen Eindruck von der Geisteswelt in Deutschland zur Zeit der Reformation geben - zwei unversöhnliche Lager standen sich gegenüber - und daraus erwuchsen zahlreiche Kämpfe bis hin zum Dreißigjährigen Krieg. Wenn auch heute die Unterschiede zwischen den Konfessionen in Westeuropa kaum noch für größere Kontroversen sorgen, zeigt z.B. der Streit um die Karikaturen des Propheten Mohammed das darin verborgene Konfliktpotential. Und die oben erwähnten aktuellen Beispiele des Internet-Zeitalters zeigen auf, wie hasserfüllt Streitigkeiten auch heute sich artikulieren können. Lernt man von der Geschichte wieder nichts?

Nach der Vorstellung der Bildsatiren der Reformationszeit und einer Diskussion wäre es schön, wenn die Anwesenden zu Gesprächen miteinander über „Gott und die Welt“ kommen würden - und nicht übereinander. Gelegenheit ist dafür jedenfalls geboten!

Dr. Michael Wahler, Diakon

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